Vorbemerkung

Es gibt eine Fülle von Gottesdiensten, die man über Internet, Radio und Fernsehen mitfeiern kann. Und das ist sicher eine sinnvolle Möglichkeit.

Doch besteht dabei die Gefahr, zum „Zuschauer“ zu werden. Zu einer christlichen Liturgie gehört es aber fest dazu, dass man aktiv daran teilnimmt: mitbetet, mitsingt, aufmerksam das Geschehen verfolgt und es damit zu einem Geschehen macht, in das man selber aktiv eingebunden ist.

Doch kann uns gerade diese Zeit, in der öffentliche Gottesdienste – aus gutem Grund! – verboten sind, daran erinnern, dass zu unserem „christlichen Genpool“ auch die Feier in Privathäusern gehört.

Das ist etwas, das in weiten Teilen des „institutionalisierten Christentums“ unüblich geworden ist – man hat es schlicht nicht mehr gepflegt, sondern ist eben am Sonntag, teils auch am Wochentag, in die Kirche gegangen.

Es sind zwar (mehr oder weniger) private religiöse Rituale und Feiern erhalten geblieben: das Rosenkranzgebet, teils auch das Stundengebet; das sind aber eher Ausnahmen.

Diese Zeit, in der wir gerade stehen, könnte uns anleiten, häusliche Gottesdienste in der Familie wieder neu zu entdecken; sie bieten gegenüber den Fernseh-, Radio- und Onlinegottesdiensten – und auch teils gegenüber der Feier in der Kirche – die Möglichkeit, sich selber intensiver mit den biblischen Texten des Tages – mit Gottes Wort! – auseinander zu setzen und in einer Geschwindigkeit zu feiern, die für einen selber angemessen ist.

Daher finden Sie im Folgenden eine Anregung dazu, die auch auf eine ausführliche Auslegung der Schriftworte verzichtet – so schwer mir dies auch persönlich fällt … –, sondern einige Impulse für das Gespräch zu zweit, zu dritt, in der Familie, auch für das Zwiegespräch mit sich selber und mit Gott. Die reiche Fülle an Impulsen ist natürlich zu viel für einen Gottesdienst bzw. für „auf einmal“; greifen zwei, drei, vielleicht vier Impulse heraus. Anderes kann Sie die Woche über begleiten.

Vorbereitung

Schaffen Sie eine ruhig Atmosphäre. Legen Sie das Gotteslob bereit, ggf. eine Bibel, wenn möglich den eigenen „Schott“. Stelle Sie eine Kerze – ein Teelicht reicht auch – in die Mitte eines Tisches, setzten Sie sich um den Tisch herum und zünden die Kerze an.

Eröffnung

Im Namen des + Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihen“ (Mt 18,20) hat Christus uns versprochen. In dieser Gewissheit dürfen wir diesen Gottesdienst feiern und darum wissen, dass er uns auch in dieser – bis noch vor Kurzem fast undenkbaren Situation – bei uns ist. Und wir dürfen uns verbunden wissen, mit allen, die als Christen nun zuhause Gottesdienst feiern, mit jenen, die über die Medien Gottesdienst mitfeiern, ja mit der Kirche insgesamt.

Lied GL 843, Strophen 1 und 2: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Als Kinder des einen Vaters im Himmel, als Schwestern und Brüder Jesus Christi versammelt rufen wir:

  • Herr Jesus Christus, du hast die fiebrige Schwiegermutter des Petrus aufgerichtet.
    Herr, erbarme dich. – Herr, erbarme dich.
  • Du hast den Aussätzigen geheilt.
    Christus, erbarme dich. – Christus, erbarme dich.
  • Du hast dem Blindgeborenen die Augen geöffnet, Dich zu erkennen, unser Heil.
    Herr, erbarme dich. – Herr, erbarme dich.

Der Herr erbarme sich unser, er schenke uns Anteil an seinem Sieg über Sünde und Tod und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Lasset uns beten!

Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.

Begegnung mit dem Wort des lebendigen Gottes

Sie können die Schriftworte des Tages aus der Bibel oder dem eigenen Schott vorlesen. Sie können aber auch auf den „Schott“ online zurückgreifen. Dort finden Sie alle Texte des Tages.

Lesung aus dem Ersten Buch Samuel: 1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b
Impulse
  • „Der Mensch sieht das, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz!“
    • Wovon lasse ich mich, lassen wir uns leiten: von dem, was vor den Menschen zählt, was hipp und in ist? von den eigenen Grundprinzipien? welche sind das?
    • Mache ich mir die Mühe, hinter die Kulissen und Fassaden zu schauen und auch dementsprechend zu leben – auch wenn ich damit vielleicht anecke? Habe ich den Mut, nicht dem Mainstream zu folgen?
  • David wird vom Hirtenfeld weg zum König gesalbt; das verdeutlicht das Ideal jedes Königtums: der gute Hirte. Urbild dafür ist die Hirtensorge Gottes selbst.
    • Habe ich in dieser unserer jetzigen Situation Vertrauen in Gott?
    • Was stärkt mich in diesem Vertrauen?
    • Was lässt mich vielleicht auch zweifeln?
    • Über all das kommen wir viel zu selten ins Gespräch!?

Lied GL 384, 3. Strophe: „Hoch sei gepriesen unser Hirt“

Lesung aus dem Brief an die Epheser: Eph 5, 8-14
Impulse
  • „Lebt als Kinder des Lichts!“
    • Vor dieser Aufforderung wird an das gottgewirkte neue Sein des Menschen erinnert: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden.“
    • Glaube ich daran, dass „durch den Herrn“ – sprich: durch Tod und Auferstehung Jesu – eine neue Zeit begonnen hat?
    • Der Autor des Epheserbriefes vergleicht dies mit dem Übergang von Finsternis zu Licht! Das ist einerseits etwas alltägliches, das wir jeden Morgen erleben dürfen. Andererseits betrifft es unser ganz persönliches Leben, das in der Taufe „neu“, „licht“ geworden ist:
  • „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“
    • Welche Finsternisse in meinem, unserem eigenen Leben gibt es?
    • Kenne ich Menschen, die für mich „Licht“ sind, die mir helfen, meine Finsternisse auszuhalten, zu durchstehen, ans Licht zu kommen?
    • Wo und wie kann ich selber Licht für meine Mitmenschen sein? Gerade in diesen Tagen, in denen manches Selbstverständliche ausfällt.

Lied GL 843, Strophe 3: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes: Joh 9, 1-41 [Joh 9, 1.6-9.13-17.34-38]
Impulse
  • Die Frage der Jünger ist verstörend: Blindheit als Folge eigener oder geerbter Sünde? Auffällig auch: der Blindgeborene kommt bis zur Heilung gar nicht zu Wort. Er wird von der Heilung mehr oder weniger überrascht!
    • Hatte der Blindgeborene sich mit seiner Situation, mit seinem Schicksal abgefunden? Hatte er überhaupt noch eine Erwartung für die Zukunft? Kann man sich das vorstellen? – Aber es wird wohl so gewesen sein. Schrecklich, oder?
    • Wo habe ich, haben wir „abgeschlossen“, keine Erwartungen mehr? Woran liegt das?
    • Kenne ich Menschen, denen es so geht? Wie gehe ich mit ihnen um?
    • Wo sind Dinge – im eigenen Umfeld, in größeren Dimensionen – unausgesprochen so selbstverständlich, dass sie von allen akzeptiert werden? Welche Konsequenzen hat das?
  • Jesus heilt durch Zeichen: Spucke, Teig, Weggehen, Waschen, Zurückkommen.
    • Der Mensch ist auf zeichenhafte Symbole und Symbolhandlungen angewiesen.
    • Gott geht auf dieses Bedürfnis ein! – Unsere Gottesdienste und Sakramente machen Gott sinnenfällig erfahrbar.
    • Auch im Alltag sind Zeichen und Symbole wichtig: das Kreuz an der Wand, der hergerichtete Esstisch, die Bilder an der Wand und auf dem Schrank, die uns mit wichtigen Menschen und Ereignissen verbinden.
    • In diesen Zeiten sind wir auf Begegnung ohne körperliche Nähe angewiesen. Welche Möglichkeiten gibt es, mit den wichtigen Menschen weiterhin in Kontakt zu bleiben. Wie können wir Nähe ausdrücken und erfahrbar machen?
  • Für die Pharisäer ist es unvorstellbar, dass der Blindgeborene durch Jesus geheilt wurde. Sie haben schon ihre feste Meinung über ihn, und die ist negativ. Daher gilt: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf!“
    • Wo habe ich mir, wir uns eine unumstößliche Meinung gebildet? – Das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein! Aber es muss den Fragen standhalten: Wie bin ich, sind wir zu dieser Meinung gekommen? Haben sich vielleicht nicht mittlerweile Dinge ereignet, die eine Meinungsänderung nach sich ziehen müssten. (Im Evangelium: „Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.“)
    • Lehne ich, lehnen wir etwas ab, obwohl ich/wir es eigentlich besser wissen müsste(n)? Was hindert mich/uns, meine/unsere Meinung zu ändern? Stolz? Angst vor der Reaktion anderer?
  • Am Ende der Erzählung wird deutlich, dass Blindenheilung hier vor allem im übertragenen Sinne zu verstehen ist: Der geheilte Blindgeborene erkennt Jesus als Menschensohn, als Retter, als Herrn.
    • Wer ist für mich/uns „Herr“, „Herrin“: wem ordne ich mich und mein Leben, wem ordnen wir uns und unser Leben unter? („Heilige Kühe“ im eigenen Leben und im Leben von Gruppen, zu denen ich gehöre.) Wie wirkt sich dies aus auf mein Leben: positiv oder negativ?
    • Kann auch ich, können auch wir sagen: „Ich glaube, Herr!“?
    • Welche Erwartungen habe ich, haben wir an „den Herrn“?

Lied GL 843, Strophe 4: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Fürbitte und Segen

Fürbitten

Voll Vertrauen rufen wir zu Gott, der uns liebender Vater und guter Hirte ist:

  • Wir beten für Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und erkrankt sind; für Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich mit großer Mühe um Kranke kümmern; für die politischen Entscheidungsträger. – Gott, guter Hirte: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Wir beten für alle, die jetzt Halt brauchen; für die, die sich große Sorgen machen; für die, die mit der aktuellen Situation verantwortungsbewusst umgehen; für alle, die nicht Maß halten in sozialen Kontakten. – Gott, guter Hirte: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Wir beten für unsere Kommunionkinder und Firmlinge, die in diesen Tagen in den Endspurt ihrer Vorbereitung gegangen wären; für alle, die sich jetzt um Feste, um Organisation und um die Zukunft sorgen. – Gott, guter Hirte: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Wir beten für die Angehörigen anderer Religionen, vor allem von Judentum, Islam und Buddhismus, die an diesem Sonntag zum Multireligiösen Gebet zusammengekommen wären. – Gott, guter Hirte: Wir bitten dich, erhöre uns.

Autor: Kaplan Andreas Stahl

Hier ist Platz für persönliche Anliegen.

Gebet des Herrn

Lasst uns beten, wie der Herr selbst uns zu beten gelehrt hat … [Vater unser]

Segen

Der allmächtige Gott gewähre uns Segen und Heil; er offenbare uns die Wege seiner Weisheit.
Er stärke unseren Glauben durch sein Wort; er bilde unser Herz nach dem Evangelium Christi, damit in allem sein Wille geschehe.
Er schenke uns jene geschwisterliche Liebe, an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll.
Das gewähre uns der dreieinige Gott: Der Vater + und der Sohn un der Heilige Geist.

Lied GL 384, Strophen 1 und 2: „Hoch sei gepriesen unser Gott“